Wer öffentlich spricht, lernt, dass die Inhalte erst dann wirkmächtig werden, wenn die „Zwischenräume“, die Pausen, richtiggesetzt sind. Pausen transportieren oftmals mehr Inhalte als der Redefluss, die Schnelligkeit und Fülle an Worten. Dramaturgie,Spannungsauf bau, Ausdrucksstärke erfolgen also auf grund des „Nichts“ dazwischen. Kopf u n d G e i s t  b r a u c h e n  R a u m „dazwischen“, damit die Inhalte „nachschwingen“ können: Zwischenräume. Gerade in der Pandemie, in der die Kommunikation über das digitaleNetz läuft, überschüttet uns die mediale Welt mit einer Fülle und Schnelligkeit an digitalen Impulsen, Nachrichten, Bildern.Die äußere Welt liegt still, aber der Kopf und die Seele werden zugeschüttet… Pausen und Stille sind lebensnotwendig. Hierzu gehört auch das spirituelle Angebot „Kloster auf Zeit.“Menschen sehnen sich – auch  in der Pandemie – nach Orten der Stille, nach Räumen des „Leerwerdens“, nach Klarheit undImpulsreduktion, damit der Kopf frei wird und die Seele wieder schwingen kann. Atempausen! Am Sonntag „Rogate“, dem 5.Sonntag nach Ostern, denken wir im Gottesdienst darüber nach, wie wir beten können. Rogate: lat. „Bittet, betet.“ In unserer reformatorisch bewusst wortorientierten und sprachbedachten Kirche ist das gute Formulieren von Gebetstexten und die Wort-Verkündigung von großem und berechtigt hohem Stellenwert! Auf der einen Seite! Was und wie gesagt wird, kann die Weltverändern. Worte haben Macht und Wirkung. Sie können aufbauen und zerstören. 

Auf der anderen Seite wissen wir aus der Weisheit der Wüstenväter: Dieses Formulieren von Gebeten, das wohlbedachte textorientierte Beten und Bitten wird imLaufe der Übung des Gebets immer wortkarger, bis wir ganz still sind vor Gott: Ein Moment des tiefen Friedens und des In-sich-Ruhens. Vielleicht sollte es mehr Phasen der Stille in Gottesdiensten geben, Phasen des Schweigens, damit wir leerwerden vor Gott, damit die Seele in der heilsamen Stille Gott reden lässt. Einfach da sein – vor Gott.

Unsere Pilgerkirche St.Christophorus an der Calvörder Straße in Helmstedt ist täglich geöffnet. Sie bietet rein optisch in der neuen Innengestaltung viel Klarheit, die die Seele zur Ruhe kommen lässt. Sie ist ein Raum der Stille, in der Gott zur Sprache kommen kann. Auch inunseren Gottes- diensten an jedem Sonntag um 10.00 Uhr gibt es stille Zwischenräume… – Pausen…, damit wir „heilsam leer werden“ und der Spannungsbogen unserer Seele für die Lebensaufgaben und in der Freude am Leben neu gespannt werdenkann. Herzliche Einladung in die Stille!

Ihre Pastorin Birgit Rengel

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