„Diesen Augenblick möchte ich festhalten!“ Sie kennen diesen Satz! Sei es der Urlaubstag, der Sonnenstrahl am Mittag,
das Kinderlachen, die Reiselandschaft… Und dann machen wir Fotos. Vielleicht stellen Sie sie „in den Status“, um auch
andere teilhaben zu lassen, die sich entweder freuen oder aber auch wehmütig feststellen, dass ihnen dieser Moment so
nicht vergönnt ist. Dankbarkeit erwächst aus der Erkenntnis, dass die Momente, die wir festhalten wollen, „unverfügbar“ bleiben. Jeder Tag, jede Begegnung, jedes Miteinander wie unser eigenes Leben ist auf Zeit hin, also begrenzt. Der Soziologe Hartmut Rosa schreibt in seinem Buch „Unverfügbarkeit“: „Lebendigkeit, Berührung und wirkliche Erfahrung …
entstehen aus der Begegnung mit dem Unverfügbaren. Eine Welt, die vollständig gewusst, geplant und beherrscht wäre, wäre eine tote Welt…“ Aus dem christlichen Taufverständnis heraus wird uns die „Unverfügbarkeit“ des Lebens auch theologisch vor Augen geführt: Mit der Gotteskindschaft in der Taufe bleiben wir eine Leihgabe für die Welt, die Menschen. Wir sind einander als gute Leihgabe Gottes anvertraut – ob in der Freundschaft, in der Partnerschaft und Ehe, in der Familie, im Miteinander privat und beruflich. „Für eine Zeit“- vielleicht für eine lange Zeit hier im Leben sind wir einander anvertraut und bleiben
doch „unverfügbar“. Das setzt für jede Begegnung, jedes Gespräch, jedes Miteinander eine Art der Kommunikation
voraus, die die Eigenständigkeit, die Würde des und der anderen respektiert.
Hartmut Rosa spricht von „Resonanzerfahrung“. „Ob der oder die andere – sei es ein Familienmitglied, eine Freundin, ein Kollege oder eine Fremde – sich auf eine… Resonanzbeziehung mit mir einlässt, habe ich gerade nicht in der Hand. Dass die andere Person auch „nein“… sagen kann, ist eine Voraussetzung dafür, dass wir mit ihr in Resonanz treten können. Mit jemandem, der uns immer recht gibt, … können wir nicht in Resonanz treten, …“ Ich bin dankbar für Resonanz im Miteinander, die Lebendigkeit eines jeden Moments – im Wissen um die „Unverfügbarkeit“ des Lebens. Birgit Rengel, Pfarrerin











